Erstellung eines Hochhauskonzeptes für Reutlingen

Link zum Originalantrag

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Keck,

zu oben genanntem Thema stellen wir folgenden Antrag:

  1. Die Verwaltung wird beauftragt, zeitnah ein städtebaulich-strategisches Konzept für die Planung und Erstellung von Hochhäusern bzw. Hochpunkten im Stadtgebiet zu erarbeiten und den Gremien zur Beschlussfassung vorzulegen.
  2. Das Konzept wird im Dialog mit der Verwaltung, Sachverständigen und interessierten Bürger*innen erarbeitet.

Begründung:
Wie auch in anderen wachsenden Städten mit begrenztem Flächenangebot rückt auch in Reutlingen die Gebäudetypologie „Hochhaus“ nach einer Phase, in der sie vor allem in Verbindung mit Großwohnsiedlungen längere Zeit mit einem eher negativen Image behaftet war, wieder in den Fokus des modernen Städtebaus.

Hochhäuser prägen jedoch das Stadt- und Landschaftsbild nachhaltig. Sie wirken nicht nur in ihrem direkten Umfeld sondern erzeugen eine Fernwirkung, die je nach Standort und Gebäudekubatur Auswirkungen auf die gesamte Stadtsilhouette entfalten kann. Daher gilt es, mit den zunehmenden Anfragen nach möglichen Hochhausstandorten besonders sensibel umzugehen.

So soll deutlich werden, auf welchen Flächen es möglich ist, Hochhäuser/Hochpunkte zu bauen und wo eben nicht. Ein sogenanntes städtebauliches Entwicklungskonzept zur Höhenentwicklung der Stadt Reutlingen schafft Planungs- wie auch Investitionssicherheit – also klare Spielregeln für alle
Bauherren.

Um evtl. vorschnelle Einzelfallentscheidungen zu vermeiden, die auf unsere einzigartige Reutlinger Stadtgestalt einschneidend einwirken, ist es dringend erforderlich, Kriterien für die Planung und den Bau von Hochhäusern und Hochpunkten festzulegen.

Reutlingen liegt, laut gesamtstädtischen Klimaanalyse des Büro Dr. Dröscher von 2017, im Bereich außergewöhnlicher, thermischer und lufthygienischer Belastung. Gleichzeitig können negative Klimabeeinflussungen durch Beeinträchtigungen des Zu- und Abstroms von Kaltluft dadurch vermieden werden. In Folge des Klimawandels sind weitere stadtklimatische Belastungen auch im Stadtgebiet Reutlingens zu erwarten. Stichwort: Wärmeinseleffekt!

Konzeptinhalte:

Für ein städtebauliches Entwicklungskonzept „Reutlinger Hochhäuser“ bietet es sich an folgende Bewertungskriterien anzuwenden:

  • Freihalten des Umfelds besonderer Stadtmarken (Rathaus, Kirchtürme etc.)
  • Schutz homogener und intakter Quartiersstrukturen
  • Erhaltung von Sichtachsen (konkrete Aussichtspunkte sind zu definieren)
  • Betonung von Sichtachsen/Akzentuierung besonderer städtebaulicher (Eingangs-) Situationen
  • Bereicherung des Stadt- und Landschaftsbildes – neue Landmarken
  • Clusterbildung mit bereits vorhandenen Strukturen
  • Berücksichtigung der Topographie
  • Aspekt Klima/Ökologie (Verschattung, Barrierewirkung für Durchlüftung etc.)

Es wird vorgeschlagen, mit Hilfe dieser und weiterer Kriterien Ausschluss- und Eignungsbereiche im Stadtgebiet zu identifizieren. Zusätzlich sollten für die Eignungsbereiche einheitliche Anforderungen definiert werden, die durch potentielle Projektentwickler zu erfüllen sind. Beispiele hierfür sind die Verpflichtung, konkurrierende Verfahren zur Gestaltfindung durchzuführen und Visualisierungen von verschiedenen Standorten aus (ggf. tags und nachts) vorzulegen. Auch können verbindlich verschiedene Gutachten wie z.B. Verschattungsstudien eingefordert werden.

Im Rahmen der Konzepterstellung soll ein geeigneter Beteiligungsprozess, der auch die Bürgerschaft mit einbezieht, stattfinden.

Ein solches städtebaulich-strategisches Entwicklungskonzept wäre in der Lage aufzeigen, auf welchem Weg eine behutsame Weiterentwicklung Reutlingens stadtbildverträglich und insbesondere stadtklimaverträglich möglich ist.

Anlage 1: Tabellarische Auswertung bereits vorliegender Hochhauskonzepte anderer Städte (siehe Originalantrag!)
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Jürgen Straub
(Fraktionsvorsitzender)

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